Small Talk mit dem Innovator Jean-Philippe Hagmann

Aktualisiert: 22. Okt 2018


Lieber Jean-Philippe,

Danke, dass du dich diesen Fragen stellst. Mich interessiert, wie du über das Thema Innovation in der Medienproduktion denkst. Deshalb meine Frage:


Q. Was ist radikale Innovation?

A. Eine Innovation ist das Erbringen von Mehrwert durch etwas Neues. Dabei gibt es zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Innovation: Bei der weitverbreiteten inkrementellen Innovation basiert dieses Neue auf einer bereits bestehenden Lösung. Es handelt sich hier also um eine Weiterentwicklung des Bekannten. Bei der radikalen Innovation, was vom lateinischen „radix“, Wurzel, abgeleitet ist, wird das Kundenproblem an der Wurzel gepackt und es werden ganz neue Lösungen dafür gesucht. Es handelt sich somit um das Finden neuer Lösungen für bekannte sowie noch unbekannte Kundenprobleme.


"Ich vermeide es für gewöhnlich, Produkte isoliert zu betrachten. Denn wer in Maschinen denkt, der wird eine Maschine entwickeln."

Q. Wo siehst du in der Medienproduktion Felder für Innovationen?

A. Das grösste Potenzial entsteht meiner Meinung nach hier, sobald man vom Begriff der Medienproduktion hin zum Begriff des Informationsüberlieferers wechselt. Unternehmen in der Medienbrache sollten aufhören, ihre Arbeit als eine zentrale „Produktion“ von Inhalten zu sehen und übergehen zur Frage, wer wie und wann Inhalte erstellen und erhalten möchte. Oder anders gefragt: „Was, wenn ich jederzeit genau die Informationen erhalte, welche ich gerade jetzt wünsche, bzw. welche mir in diesem Moment Freude bereiten?“


Q. Ist eine neue Maschine mit neuen Möglichkeiten eine echte Innovation?

A. Diese Frage lässt sich nicht ohne weiteres mit Ja oder Nein beantworten. Eine Maschine ist für sich alleine gestellt nie eine Innovation. Erst in der Interaktion mit den Nutzern wird sie eventuell zu einer Innovation. Ich vermeide es für gewöhnlich, Produkte isoliert zu betrachten. Denn wer in Maschinen denkt, der wird eine Maschine entwickeln. Die Frage sollte immer lauten: Welches relevante Bedürfnis oder welches relevante Problem möchte ich lösen? Und für wen? Sollte diese neue Maschine ein relevantes Problem besser, schneller oder günstiger lösen, als herkömmliche Maschinen, dann ist es eindeutig eine Innovation. Aber vielleicht verschliesse ich mir mit meinem Fokus auf eine Maschine die Augen für ganz andere Lösungen.


"Die Frage sollte immer lauten: Welches relevante Bedürfnis oder welches relevante Problem möchte ich lösen? Und für wen?"

Q. Wie kann ein kleines Unternehmen Innovationen entwickeln?

A. Kleine Unternehmen haben im Gegensatz zu grossen Konzernen den Nachteil, dass ihre Ressourcen wesentlich stärker mit dem Erfolg des Tagesgeschäfts verbunden sind. Kleine Unternehmen können selten grössere Budgets und einige Vollzeitstellen für das Finden von Innovationen aufwenden. Auf der anderen Seite haben kleine Unternehmen aber auch einen grossen Vorteil gegenüber den Grossen: sie sind schneller, anpassungsfähiger und näher bei den Kunden. Um nun als kleines Unternehmen innovativ zu sein, ist der Faktor Unternehmenskultur entscheidend. Ist es in ihrer Kultur verankert, dass alle Mitarbeitenden ihre Meinung frei von Ängsten äussern wollen, dass ein kollektives „Ja-Sagen“ vermieden wird, dass Vorschläge für Neues zwar kritisch betrachtet aber nicht sogleich abgeschmettert werden? Ist der Pioniergeist aus der Anfangszeit noch vorhanden? Wird die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens offen und von allen diskutiert? Eine solche Kultur kann bereits sehr viel bewirken. Dann habe ich zwei Tipps für kleine innovationswillige Unternehmen: Als erstes sollte die Unternehmensleitung das Wort „innovativ“ möglichst rasch mit einem ambitionierten aber konkreten Ziel ersetzen. Eine Bäckerei sagt dann nicht mehr: Wir wollen innovativ sein. Sondern: Wir wollen jedem Menschen in unserer Region zu jeder Zeit ein ofenfrisches Brot geben können. So wird die kreative Energie der Mitarbeiter auf ein klares Ziel gerichtet und es werden weniger Ressourcen verbraucht. Der zweite Tipp ist, mit anderen kleinen Unternehmen eine geteilte Innovationsabteilung aufzubauen. So muss jedes Unternehmen nur wenige Ressourcen sprechen und dieser branchenübergreifende Ansatz kann zu wirklich aussergewöhnlichen Ergebnissen führen.


"Als erstes sollte die Unternehmensleitung das Wort „innovativ“ möglichst rasch mit einem ambitionierten aber konkreten Ziel ersetzen. Eine Bäckerei sagt dann nicht mehr: Wir wollen innovativ sein. Sondern: Wir wollen jedem Menschen in unserer Region zu jeder Zeit ein ofenfrisches Brot geben können."

Q. Kann man Innovationen auch extern entwickeln lassen und quasi einkaufen?

A. Ja, das kann man. Allerdings gilt es zwei Dinge zu beachten, wenn ein Unternehmen die Innovation extern entwickeln lassen möchte: das Wichtigste ist, dass sich das Unternehmen bewusst ist, dass es dadurch nicht frei von Pflichten ist. Es braucht nichtsdestotrotz ein Verständnis für den kreativen Prozess des Innovierens und muss sich für diesen explorativen Prozess interessieren. Zweitens, kann diese Strategie nur dann zum Erfolg führen, wenn das Unternehmen im Sinne einer Ko-Kreation immer wieder in den Innovationsprozess involviert wird, ohne aber steuernd einzuwirken. Für ein solches Vorhaben ist viel Vorschussvertrauen nötig. Wenn ein Unternehmen diesen Schritt gehen möchte, so profitiert es aber von einem Gegenüber, welcher bereit ist, sich wirklich auf das Unternehmen einzugehen und geübt darin ist, mit dem Unbekannten umzugehen, Möglichkeitsräume zu öffnen und spontane Kursänderungen hin zum Guten vorzunehmen. Ich habe jüngst ein solches externes Innovationsteam mitgegründet: FOND Outsourced Innovation (fond.ch).

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