Käppeli fragt Marvulli - Dialog zum Thema Kopfsache. Frage #1.

Liebe Leserinnen und Leser,

Kurz nach dem bundesrätlichen Lockdown kam der pensionierte Radrennfahrer und heutige Entertainer, Moderator und Ultrasportler Franco Marvulli auf mich zu, und fragte mich, ob ich ihm zehn Fragen stellen möchte, die er beantworten und wöchentlich in den Sozialen Medien posten würde.


Franco Marvulli, pensionierter Bahnrennfahrer, mehrfacher Weltmeister, heutiger Moderator, Talker, Ultrasportler


Ich fand die Idee einerseits sehr mutig und es ehrte mich auch, da er mir das zutraute und bezüglich der Fragen überhaupt keine Grenzen setzte. Und andererseits fand ich die Idee auch spannend und ungewöhnlich, konnte aber überhaupt nicht abschätzen, ob und wie Francos Communitiy darauf reagieren würde. Aber Franco Marvulli ist eben ein aussergewöhnlicher Mensch und aussergewöhnlich witzig, nachdenklich, lustig, überraschend, leichtfüssig, tiefgründig und unerwartet waren viele seiner Antworten. Sodass wir beide in eine Art Flow einschwenkten, der beiden und, so wie ich das sehe auch seinen Followern, Spass machte. Aus diesem Grund habe ich aus diesen zehn Fragen ein Booklet gestaltet als kleine Erinnerung an diesen Corona-Sommer 2020.


Ich wünsche viel Spass beim Lesen


Andreas Käppeli

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Frage #1:

Weshalb sagt man von dir, dass du als Radprofi faul warst?

Lieber Andreas, hier meine Antwort. Philosophie der Faulheit oder weshalb ich als Rennfahrer so faul war.

„Du könntest besser sein, Franco. Du musst mehr machen, so wird nichts aus dir.“ Als junger Radprofi hörte ich es jeden Tag. Manchmal auch heute noch.Zuerst hatte es mich genervt. Doch mit der Zeit entwickelte ich daraus intuitiv eine erfolgreiche Strategie. Rückblickend kann ich sie auch erklären. Es ging um Aufwand und Ertrag.


Das Schönste am Sport ist der Erfolg. Das habe ich schnell gemerkt. Alles andere ist “nur” Vorbereitung. Wenn ich viel trainierte, war ich oft müde, wenn ich lange trainierte, hatte ich keine Zeit für anderes (Freizeit). Die Frage lautete also, wieviel ich bereit war, in meinen Erfolg zu investieren? Meine Antwort lautete: Genau soviel wie ich eben investiert habe. Ich habe immer nur soviel gemacht, wie nötig war. Ich hatte nicht das Ziel, mit zehn Minuten Vorsprung zu gewinnen, fünf Minuten reichten auch. Wieso sollte ich mich schinden? Je weniger ich machte, desto weniger Erholung brauchte mein Körper, um wieder Rennbereit zu sein.

Lieber Andreas, hier meine kleine Philosophie der Faulheit.

Es gibt noch einen anderen Aspekt: Wie wird man besser? Nur mit Training? Nein. Es braucht auch Taktik, Strategie und Material. Wenn andere trainierten, schaute ich mir Videos auf der Couch an. Natürlich keine Actionfilme, sondern Radrennen, ich studierte meine Gegner. Ich wusste immer, wo deren Schwäche lag und wie ich sie angreifen musste. PS: Die Couch war übrigens sehr bequem.

Schaue ich heute in die Wirtschaft, ist das nicht viel anders. Alles wird optimiert und es wird möglichst nur so viel investiert, wie nötig. Nein, faul war ich nicht, denn auch für mich galt: Ohne Fleiss kein Preis. Aber es stimmt, ich hätte mehr machen können.


Heute bin ich überzeugt, dass ich im Kopf kaputt gegangen wäre, wenn ich alles für den Erfolg gemacht hätte. Für mich hat es auf jeden Fall gepasst. Hätte ich nochmals Weltmeister werden können? Ja, das hätte ich.


Aber mal ganz ehrlich, als ich mein Rad an den Nagel gehängt habe, war ich einfach Franco ohne Rad. Nicht mehr und nicht weniger. Ich weiss nicht mal, wieviele Rennen ich gewonnen habe. Ein Sieg mehr oder weniger hätte mein Leben aber kaum verändert. Mein Sportlerleben habe ich auf alle Fälle genossen, auch wenn ich etwas fauler gewesen war, als die anderen. Aber müde an die Afterparty zu gehen wäre ja auch blöd gewesen. Am Ende schaust du zurück und sagst dir ganz einfach: War echt ne geile Zeit, alles andere ist Mehraufwand. Kopfsache, eben.

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Impressum Dieser Dialog ist im Sommer 2020 kurz nach der ersten Welle der Corona-Krise entstanden. Er wurde im Wochenrythmus auf Franco Marvullis Facebook- und Instagram-Seiten publiziert. Sie sind sprachlich und orthografisch bewusst nicht korrigiert. Sie werden hier so wiedergegeben, wie sie erschienen sind. Jeder der einen Fehler findet, darf ihn behalten. Die Idee zu "Käppeli fragt Marvulli, zum Thema Kopfsache" stammt von Franco Marvulli.

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