Tod am Südpol -- mit STOP besser entscheiden

Aktualisiert: Okt 11

Das Tagebuch des britischen Entdeckers Robert Falcon Scott endete am 29. März 1912 mit den Worten: "Letzter Eintrag. Um Gottes Willen, kümmert Euch um unsere Leute." Scott hatte zwar den Südpol erreicht, aber einen Monat später als der Däne Amundsen. Somit hatte er das Rennen verloren.



Enttäuscht und entkräftet musste sich Scott auf den Rückweg machen. Sein brennender Ehrgeiz und stures Festhalten an offensichtlichen Fehlentscheiden, kosteten schliesslich ihm und seinen Kammeraden das Leben. Viele seiner Tagebucheinträge zeigen seine Unfähigkeit, getroffene Entscheide auch mal zu hinterfragen, um daraus zu lernen.


Ähnliches begegnet mir manchmal bei Führungskräften in Unternehmen. "Es ist entschieden, basta!" heisst es dann. Offensichtlich haben die getroffenen Entscheide viel Kraft und Zeit gekostet und man will sie nicht nochmals diskutieren. Führung leidet aber selten darunter, dass man Entscheidungen überdenkt oder auch mal zurücknimmt. Führung leidet am meisten an unter schlechten Entscheidungen.



STOP-Regeln

Bei heiklen Entscheiden kann man mit der STOP-Regel eine Art "Notausgang" einbauen. Hier finden Sie drei Varianten. STOP-Regeln funktionieren wie eine letzte Sicherung und können auch im Business Fehlentscheide verhindern.


Variante 1: Nicht verhandelbare Regel

Sie bewährt sich in Situationen, wo keine Zeit bleibt, um nachzudenken. Zum Beispiel bei fallenden Börsenkursen. Da wird festgelegt, dass bei zehn Prozent Kursverlust verkauft wird. Egal, was passiert. Diese STOP-Regel eignet sich auch bei Verhandlungen oder im Projektmanagement.


Variante 2: Mit einem flexiblen Limit

Diese Methode wird oft von Bergsteigern angewendet. Regel: Wenn wir bis zwei Uhr Nachmittags dreihundert Meter unter dem Gipfel sind, steigen wir eine weitere Stunde auf und beurteilen die Situation dann neu. Wenn nicht, kehren wir ohne Diskussion um.


Variante 3. STOP in vier Schritten

Sie wurde vom Management-Coach Timothy Gallwey in den Siebzigern erfunden. Mit ihr kann man sich gezielt aus einer (stressigen) Situation lösen. STOP steht hier für 

  • Step back

  • Think

  • Organise your thoughts

  • Proceed

Step back

Unter Stress und Druck agieren wir gerne blind und mit eingeschränkter Vernunft. Diese Variante der STOP-Regel erlaubt uns, einen Schritt zurück zu treten, durchzuatmen, Druck rauszunehmen und einen klaren Gedanken zu fassen.


Think

Wir kommen gedanklich zur aktuellen Situation zurück und stellen uns ein paar Fragen:

  • Was passiert gerade?

  • Was steht an?

  • Wie geht es mir psychisch und körperlich?

  • Was will ich wirklich?

  • Was ist das Beste oder das Schlimmste, das passieren kann?

  • Oder: Was sind jetzt die drei wichtigsten Fragen für mich?

Organise your thoughts

Wir ordnen unsere Gedanken und Optionen. Da helfen Fragen wie:

  • Welche Alternativen habe ich?

  • Wo liegen meine Prioritäten – und wo sollten sie liegen?

  • Was bräuchte ich, um besser entscheiden zu können?

  • Worauf kann ich verzichten?

Proceed

Jetzt sind wir beim letzten Punkt angelangt und können besonnener weiter machen.


Fazit

Es mag etwas seltsam klingen, einen STOP einzulegen, wenn es brennt. Versuchen Sie es trotzdem mal, denn je nach Situation reichen schon dreissig Sekunden, um eine neue Perspektive zu finden und sich innerlich zu entspannen. STOP-Regeln funktionieren wie eine letzte Sicherung und können auch im Business Fehlentscheidungen verhindern.

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